Das Klima eines ganzen Kontinents im Jahreszyklus in einem Artikel zusammenzufassen ist eine Aufgabe, die dieser Autor lieber den Profis ueberlaesst. Wer in den USA lebt wird sich schnell daran gewoehnen, dass das Wetter eine wichtige Rolle im Alltag spielt, in der Regel, weil es so extrem ist.
Es gibt zahlreiche Gegenden in den USA, die in den letzten paar Tausend Jahren mehrfachen erfolglosen Besiedelungsversuchen ausgesetzt waren und jetzt stark wachsende Ballungszentren beherbergen. Fehlentscheidungen betreffend wo man sich niederlaesst konnte man in den letzten Jahrzehnten leicht durch erhoehten Energieeinsatz wettmachen. Wuestenklima? Kein Problem: Klimaanlagen muessen her. Arktische Temperaturen im Winter: Strom fuer die Heizung kommt doch aus der Streckdose (meistens jedenfalls).
Das hat zu strukturellen Fehlentwicklungen gefuehrt, nicht nur weil Energie immer teuerer wird. Den Wuestensiedlungen im Westen und Suedwesten der USA geht inzwischen auch das Trinkwasser aus. Phoenix Arizona leitet seinen Namen von einer (vermutlich wegen Wassermangel) verschwundenen Kultur ab und ist die am zweitstaerksten wachsende Region der USA. Arizona hat die meisten Boote pro Einwohner aller Staaten der USA. Logisch, oder? Es sind ja nur knapp 6 Stunden mit dem Auto nach San Diego CA.
Selbst im regenreichen Nordosten wird erkannt, dass das Wasser knapp wird. In New Hampshire kann man keine drei Kilometer geradeaus gehen ohne in einem kleineren oder groesseren See ertrinken zu muessen, trotzdem ist die Stadt Nashua (500.000 Einwohner) dabei, dem boersennotierten Wasserverorger das Netz zu enteignen (Eminent Domain). Vorausschauende Gemeinden in den USA machen inzwischen also genau das Gegenteil von dem, was in Europa noch als fortschrittlich betrachtet wird: Die Stadtwerke zu privatisieren.
Europa wird vom Golfstrom beheizt. Der Golfstrom zieht an der Ostkueste der USA nach Norden, bevor er sich Richtung Europa verabschiedet und hat auch einen erheblichen Einfluss auf das Wetter im Nordosten der USA: Etabliert sich ein Tief zwischen Neufundland und Groenland, pumpt es feuchtwarme Luftmassen in den Nordosten der USA im Rahmen einer starken, aus Nordosten kommenden Luftstroemung, liebevoll Nor’easter genannt. Dann stuermt und duscht es hier eine Woche lang wie aus Kuebeln oder es gibt bis zu einen Meter Neuschnee (pro Tag). Diese Tiefdruckgebiete sind gar nicht so selten: Entweder sie werden frisch aus Kanada importiert oder unten in Florida hat man einen ausgedienten Zyklon uebrig, der sich dann ueblicherweise entlang der Ostkueste ueber Groenland nach Europa begibt, um dort noch fuer ein paar Stunden Nieselregen zu sorgen, bevor ihm ueber den Weiten Russlands der Dampf ausgeht.
Golfstrom an der Ostkueste? Global betrachtet, ja. Tiefdruckgebiete „denken“ grossraeumiger als der Badende, der direkt vor der Kueste auf den Neufundlandstrom trifft, welcher – der Name laesst es vermuten – die Wassertemperatur je nach Jahreszeit zwischen 3,5 und 4,5 cm einstellt.
Der Nor’easter spielt auch eine wichtige Rolle im Jahreszeitenwechsel. Einen Fruehling im deutschen Sinne, mit zart knospenden Blueten und bunten Blumen auf der Wiese gibt es eher nicht. Es ist bis in den spaeten Maerz hinein kalt genug fuer eine geschlossene Schneedecke mit Temperaturen um den Gefrierpunkt, dann legt irgendwo irgend jemand einen Schalter um und es regnet zwei Wochen, danach explodiert die Natur foermlich und es ist Sommer. Ein langer, schoener, warmer Sommer. Das zieht sich bis Mitte September, dann beschliessen alle Baeume gleichzeitig in den strahlendsten Farben zu erleuchten und es folgt ein goldener Herbst bis ziemlich genau drei Wochen vor Weihnachten, wenn die Schneefaelle einsetzen.
Wetter ist Geschmackssache und man kann darueber diskutieren – nach Ansicht dieses Autors hat man in Neu England das Wetter, das man in Deutschland als idealen Wetterverlauf betrachten wuerde. Waehrend in Deutschland die Winter und die Sommer den Anspruechen der Verbraucher oft nicht genuegen, schwaechelt hier der Fruehling.